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Texas-Barbecue mit Hörnern: Weltmeisterschaften im Ziegengrillen Von Jörg-Michael Dettmer, dpa Brady (dpa) - Der stämmige Koch Johnny Pedron steht an seinem eisernen Barbecue-Grill und schwitzt in der brennenden Mittagssonne von Zentraltexas. Sorgfältig wendet Pedron das Fleisch. Eine Flanke, ein kleiner Schinken, ein Stück vom Rücken und ein Kopf samt Hörnern liegen auf dem Rost: Der Texaner grillt eine halbe junge Ziege. Schauplatz ist der Stadtpark des kleinen Ortes Brady am Westrand des texanischen Hill Countries. Hobbykoch Pedron ist einer von 125 Teilnehmern beim "Worldchampionship Goat Cook-Off 2002", den Weltmeisterschaften im Ziegengrillen.
Seit nunmehr 29 Jahren zieht der Wettbewerb Anfang September mehr als 20 000 Besucher an. Die Grill-Teams stammen aus allen Teilen der USA, die meisten Bewerber jedoch kommen aus Texas. Sie kämpfen um die Titel, die für das schmackhafteste Fleisch und für den besten "cooking rig", also den bestaussehenden Barbecuewagen vergeben werden.
Brady liegt im Herzen des texanischen Goat-Country, des "Ziegen-Landes". Schon bei der Anreise sieht man mehr und mehr der gehörnten kleinen Tiere auf den kargen Weiden stehen. Die Meisterschaft ist "das" Volkfest der Region. Im staubigen heißen Stadtpark von Brady stehen Buden und Verkaufsstände. Es gibt Kunsthandwerk und Ramsch, Kinderspielwiesen und Tombolas und Country Music live. Man trinkt Limonade und Bier aus Dosen, isst Hot Dogs, riesige Maiskolben und natürlich Ziege - ein Fest, patriotisch umrahmt von tausenden Fahnen und Fähnchen, den blau-weiß-roten Stars and Stripes. Und über allem liegt der würzige, rauchige Grillgeruch von Ziegen auf den Rosten.
"Ich grille die Ziege etwa sechs Stunden", erklärt Johnny Pedron, der aus dem schönen Örtchen Knickerbocker in West-Texas kommt. "Ich verwende Pfeffer und Salz, Knoblauch und Zitrone. Und ich brate auf Folie, denn so bleibt das Fleisch saftiger." Ziege schmeckt süßer und dem Wildbret verwandter als Rind. Jeder Koch hat seine ganz eigene Methode. "Aluminium macht das Fleisch doch viel zu matschig, ich grille natürlich direkt auf dem Rost", meint etwa Forrest Suggs aus Marble Falls, Texas. Koch Roy Sanchez gart seine Ziege sogar 12 Stunden - nach dem Motto "je länger, desto besser".
Ziegenfleisch gewinnt in den USA an Beliebtheit. Das liegt auch anden Einwanderern aus Lateinamerika, Afrika und dem Nahen Osten, fürdie Ziegen ein wichtiges Nahrungsmittel sind. Das Fleisch hat erheblich weniger Fett und Kalorien als Rind oder Schwein, dafür jedoch mehr Eisen. Es wird als Braten, Gulasch, Schaschlik oder als Steak zubereitet.
Jedes Team erhält für den Wettbewerb rund 12 Pfund Fleisch. Ziegen werden hier meist geschlachtet, bevor sie ein Jahr alt sind. Im Handel kostet das Fleisch zwischen drei und sechs Dollar (3,02 Euro bis 6,04 Euro) pro Pfund, je nach Güte. Die texanischen Barbecueköche verwenden zum Feuern ihrer Grills das im Südwesten der USA beliebte Mesquiteholz mit seinem würzigen Rauch. Die fahrbaren Grills sind zuweilen wahre Prunkstücke, poliert, geschmückt und mit allerlei Gerät und Zubehör ausgestattet. Um 16 Uhr wird bei der WM in Brady jede Grillerei eingestellt. Die Köche bereiten Platten mit Häppchen zu, die Preisrichter beginnen ihre Arbeit. Um prämiert zu werden, muss die Ziege schmecken, zart sein, nicht zu trocken und nicht zu fett - und das gewisse Etwas haben. Abends dann findet in der Innenstadt von Brady ein riesiger Streetdance statt, bei dem Tausende in den Morgen hinein tanzen. Weltmeister im Ziegengrillen 2002 wurde übrigens das Team von Kyle Cook aus Goldthwaite, Texas.
© dpa 050130 Sep 02
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